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Die Sicht der Praxis:

von Ulrich Meißner

 

An Innovation führt heute kein Weg vorbei. Die große Dynamik der internationalen Märkte zwingt nicht nur junge Start-ups, sondern auch etablierte Mittelständler und große Weltmarktführer zu stetem Wandel. Wer die Kunden und Mitarbeiter der Zukunft als Partner für offene Innovation gewinnt, erschließt sich neue Möglichkeiten. Erfolgreiche Marktteilnehmer sollten auf Studierende setzen, dann gewinnen beide.

 

Wandel begrüßen

Angesichts des digitalen Umbruchs und der Vernetzung der internationalen Märkte müssen sich Unternehmen und Institutionen heute schneller denn je verändern. Erfolgreiche Akteure passen daher Strategie, Struktur und Abläufe stetig an. Mit einer agilen Organisation verankern sie Innovation fest in ihrer Kultur und bleiben dem Wettbewerb immer eine Länge voraus. Das gilt für große internationale Weltmarktführer genauso wie für die hidden Champions des deutschen Mittelstands. Sie behaupten sich am Markt, weil sie sich konsequent auf Erneuerung ausrichten. Sie weichen starre Hierarchien auf, wählen kreative Ansätze. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten über Standorte und Fachbereiche hinweg zusammen und verantworten eigenständig ihre Abläufe. So fördern Unternehmen systematisch neuartige Ideen.

 

Zur Außenwelt öffnen

Im Vorteil sind dabei Unternehmen oder Institutionen, die sich außerdem stärker zur Außenwelt öffnen, um neues zu schaffen. Denn sie richten die Gestaltung eines Produkts oder einer Dienstleistung konsequenter auf die Bedürfnisse der Kunden, Nutzer oder Bürger aus. Das entbindet sie zwar nicht, neue Bedürfnisse eigenständig zu erahnen und Lösungen selbst zu erfinden, entdecken oder entwickeln. Denn wie formulierte schon Henry Ford, der das Auto zum Massenprodukt machte, so treffend? „Hätte ich die Menschen gefragt, was sie wollen, dann hätten sie geantwortet: Gib mir ein schnelleres Pferd!“ Aber damals genügte ein Standardprodukt für alle. Bei Fords Model T stand nicht einmal die Farbe zur Wahl. Heute zählt die Meinung der Verbraucher mehr, bieten moderne Autohersteller nahezu unendliche Varianten zu jedem Fahrzeug an. Auch die Stärke eines so standardisierten Produkts wie das Apple I-Phone liegt ja nicht so sehr in der Wahl von Größe, Farbe und Speicherplatz, sondern in der Offenheit für zahllose Apps von Drittanbietern.

 

Ein zukunftsweisender Ansatz, um die Bedürfnisse aufzuspüren, die dem Nutzer gar nicht bewusst sind und die er noch nicht artikulieren kann, ist die sogenannte Open Innovation. Die Grundidee ist sehr einfach. Ein Unternehmen nutzt die Schwarmintelligenz seiner Zielgruppe und erhält direkt wertvolle Ideen und kreative Konzepte für Produkte oder Dienstleistungen. Ein schönes Beispiel für die überlegene Intelligenz des Schwarms ist Wikipedia: umfassender, aktueller und längst auch inhaltlich besser als jede klassische Enzyklopädie. Durch kluges Kuratieren der Beiträge von –zig Millionen Autoren kommt hier etwas Unübertroffenes zustande.

 

networkZielgruppen einbinden

Wenn Unternehmen ihre Zielgruppen auf intelligente Weise in ihren Innovationsprozess einbeziehen, sparen sie Zeit und Kosten. Die Kundenmeinung erschließt ihnen andere Sichtweisen, mehr Ideen und ein größeres Wissen und verringert das Risiko zu scheitern. Wer sich der Außenwelt mit Open Innovation öffnet, wird meist schneller und sicherer voranschreiten als der Tüftler im stillen Kämmerlein oder die Innovationsabteilung ohne Kundenbezug.

 

In ähnlicher Weise gilt dies übrigens für den Staat: Open Government  erkundet die Wünsche und Ideen der Menschen für Gesetzgebung, Regierung und Verwaltung. Der offene Staat beteiligt seine Bürger, befragt sie zu ihren Interessen und Meinungen und bezieht ihre Verbesserungsvorschläge und Anregungen ein. So schafft er Vertrauen.

 

Auf Studierende setzen

An wen sollten sich Unternehmen und Institutionen wenden, wenn sie sich der Außenwelt öffnen wollen, um Neues zu schaffen? Oft gibt es eine ideale Zielgruppe: Studierende. Angesichts einer Studierendenquote von bald 60 Prozent pro Jahrgang ist diese Bevölkerungsgruppe gerade in Deutschland äußerst relevant; aufgrund ihrer Jugend und Vielfalt ist sie außerdem besonders offen für Neuerungen; und binnen weniger Jahre nach Bachelor oder Master übersteigt ihre individuelle Kaufkraft meist den Durchschnitt der Bevölkerung. Sie sind die Käufer oder Nutzer der Zukunft. Und es ist anzunehmen, dass sich mit ihrem Bildungsstand auch Erfindungsreichtum verbindet. Die Hochschulen bieten ein unvorstellbar großes, bislang jedoch weitgehend ungenutztes Potential.

students studyingArbeitgebermarke stärken

Wer sich so an den Hochschulen engagiert, erzielt auch Vorteile auf dem Stellenmarkt. Arbeitgeber stehen längst im dauerhaften Wettbewerb um die größten Talente und um die Führungskräfte von morgen. Sie müssen einen nachhaltigen kompetitiven Vorteil entwickeln, um in diesem Wettstreit nicht leer aus zu gehen. Das erfordert ein Umdenken von „Was will ich als Arbeitgeber oder Unternehmen?” zu „Was will der Jobkandidat?“. Und wie findet man am besten heraus, welche Ziele, Wünsche und Bedürfnisse potentielle Arbeitnehmer haben? Im direkten Kontakt! Mehr Input der Zielgruppe führt zu besseren Einstellungen, was nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Arbeitssuchenden nützt.

 

Horizont erweitern

Was haben die Studierenden davon, wenn sie in die offene Innovation einbezogen werden? Sie erhalten erstens den von ihnen oft vermissten Bezug zur Praxis, sowohl inhaltlich als auch durch persönliche Kontakte, die bekanntlich Gold wert sind. Sie erweitern zweitens ihren Horizont, indem sie Lösungen für reale Probleme entwickeln und sich mit Vertretern anderer Fachrichtungen auseinandersetzen. Sie sammeln wertvolle praktische Erfahrung und setzen das angeeignete Wissen gewinnbringend ein.

 

Marktlücke schließen

Alles in allem scheint der Ansatz Open-Innovation also die Lösung für viele Probleme zu sein. Warum nutzen also noch nicht mehr Unternehmen das umfangreiche Potential der Studierenden? Vielleicht fehlt hier einfach die passende Vermittlungsinstanz, die effizient zwischen den Parteien kommuniziert? Eine Marktlücke, die geschlossen werden sollte. Wer Unternehmen und Institutionen mit diesen kreativen Köpfen und ihren frischen Ideen zusammenbringt, wer diesen produktiven Austausch befördert, dem steht eine große Zukunft bevor.

 

Dr. Ulrich Meißner ist unabhängiger Kommunikationsberater, Mentor und Angel Investor. Nach Studium und Promotion in Anglistik, Mathematik und Germanistik war er Dozent an den Universitäten London und Mannheim und in der Unternehmenskommunikation von McKinsey und Deutscher Börse tätig.

 

 

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